Was brachte die Reise?

Hat diese Reise meine Erwartungen erfüllt? Eines ist sicher, fünf Tage sind zu wenig für einen intensiven Besuch in die Vergangenheit. Ich werde diese Fahrt in meine Vergangenheit noch einmal wiederholen müssen. Ich habe viele der alten Stätten gesehen, Erinnerungen werden wach, die ich längst verloren glaubte. Auch Heimatgefühle kamen auf, Tränen flossen des Öfteren. Breslau hat sich sehr stark verändert und ist mir teilweise fremd geblieben. Die Fahrten ins Riesengebirge und ins Glatzer Bergland haben mir sehr viel bedeutet. Hier konnte ich viel von der schlesischen Landschaft sehen, in den Ortschaften war noch sehr viel alte Bausubstanz erhalten.

Während meiner schlesischen Kindheit kam ich wenig aus Breslau heraus. In der Erinnerung sind noch die Besteigung des Zobten und die Fahrten mit der Schmalspurbahn nach Trebnitz ins Katzengebirge. Besonders die letzteren genoss ich sehr. Während der ruckelnden und schaukelnden Bahnfahrt öffnete ich das Fenster und streckte den Kopf weit hinaus. Der schwefel- und russhaltige Qualm der Dampflok strich mit dem Fahrtwind um mein Gesicht. Der Rauch reizte mich zum Husten und schwärzte mein Gesicht, was meine Mutter dazu veranlasste, ihr Taschentuch mit Spucke zu befeuchten und mir das Gesicht abzuwischen. Ich fand das äußerst eklig, mich schüttelt es noch heute. Kaum war Trebnitz erreicht, rannte ich entzückt und atemlos über die dicht nebeneinander liegenden kleinen katzenbuckeligen Hügel.

Foto vom Berg Zobten

Der Zobten. Zweimal habe ich den Heiligen Berg der germanisch stämmigen Sielinger (Schlesier) und der schon vorher ansässigen slawischen Bevölkerung als Kind mit meiner Mutter bestiegen.

Die letzten neun Monate vor unserer Flucht in den Westen war ich auf das Land verschickt worden. Beim Bauern Geppert in Wandelheim bei Herrnstadt fand ich liebevolle Aufnahme. Die Bauernfamilie hatte einen Sohn in meinem Alter, mit dem ich die Wandelheimer Umgebung erkundete. Während meines Aufenthaltes in Wandelheim besuchte ich keine Schule. Dafür durfte ich Großstadtkind die Kühe auf die Weide treiben. Es war eine friedliche Sorte Rindviecher, die sich auch reiten ließen. In Wandelheim wurde ich zum ersten Mal mit Höhenangst konfrontiert. Zusammen mit dem Bauersohn erkundete ich eine stillgelegte und im Inneren ausgeschlachtete Windmühle. Nur eine zurückgelassene Antriebswelle durchquerte das Bauwerk von unten nach oben. Über diese kletterten wir in den oberen Raum. Nur als es wieder abwärts ging, stand ich vor einem Problem: ich hatte Höhenangst! Eine halbe Stunde stand ich zitternd auf halber Höhe auf einer Wellenkupplung. Dann endlich wagte ich den Sprung nach unten.

Des Öfteren marschierte ich mit der Magd auf einen entfernten Acker. Dort hackten wir dann den ganzen Tag die Bereiche um die Rüben unkrautfrei. Mittags saßen wir am Ackerrand und aßen unser Mittagsbrot. Weit und breit gab es keinen Baum und keinen Strauch. Wenn uns dann ein körperliches Bedürfnis packte, hockten wir gemeinsam auf dem Ackerrain und streckten unsere entblößten Hinterteile in die Luft. Einmal, als die Magd mühsam ihre Röcke hochzerrte, erhaschte ich einen langen Blick auf ihre intimsten Bereiche. Ich starrte verblüfft auf die wuchernden Haare zwischen ihren üppigen Schenkeln. So etwas hatte ich noch nicht gesehen! Schliesslich spriesste zu diesem Zeitpunkt bei mir dort unten noch kein einzigen Härchen. Noch weit entfernt von der Pubertät löste der Anblick keine körperlichen Reaktionen bei mir aus.

Zurück auf dem Hof berichtete ich natürlich dem Bauernjungen von meinem Erlebnis. Leider hörte im Hintergrund die Großmutter des Bauern mit. Es gab ein großes Donnerwetter und Oma Geppert erzählte überall im Dorf, dass die Magd den Jungen ihre 'Pflaume' zeigt.